Kritik an der kalten Sonne in der Zeitschrift „Skeptiker“: Ganz so einfach ist es leider nicht

In der Ausgabe 3/2012 der Zeitschrift „Skeptiker“ erschien im Oktober 2012 ein Beitrag von Oliver Marchand mit dem Titel „Kalte Sonne? Kalter Kaffee!“, in dem der Autor versucht, drei Hauptthesen unseres Buches zu widerlegen. Dabei handelt es sich um

These 1: Die Erderwärmung pausiert seit 10 Jahren
These 2: Die Sonne ist der Hauptfaktor für die Klimaerwärmung
These 3: 293 unbeachtete Fehler und Mängel im IPCC Report gefunden

Schauen wir uns doch einmal an, was Oliver Marchand so an den Thesen auszusetzen hat.

These 1: Die Erderwärmung pausiert seit 10 Jahren

In seinem Artikel führt Marchand allerlei Gedankenverrenkungen aus und kommt dann zu dem Schluss:

„Zehn-Jahres-Trends zu betrachten, ist schlicht sinnlos.“

Interessant. Spielt aber in dieser Betrachtung eigentlich auch keine Rolle, denn die Erderwärmung pausiert mittlerweile seit sogar nunmehr 16 Jahren wie die neuen HadCRUT-Temperaturdaten eindrucksvoll belegen (siehe unseren Blogbeitrag „Neue HadCRUT-Daten belegen: Globale Temperatur seit 16 Jahren nicht mehr angestiegen„). Und dieser Zeitraum gilt in der Fachwelt durchaus als bemerkenswert. Offensichtlich war Marchand diese neue Faktenlage nicht bewusst.

 

These 2: Die Sonne ist der Hauptfaktor für die Klimaerwärmung 

Marchand versucht den Lesern vorzurechnen, dass die Sonne gar nicht genug Power hat, um mit ihren Schwankungen das Klima zu beeinflussen. Nur sechs hundertstel Grad gesteht er ihr seit 1900 zu. Möglicherweise ist er selbst von seinem Mathematik-Kasperle-Theater überzeugt. Gestandene Geowissenschaftler kann er damit jedoch nicht überzeugen. Zu deutlich ist die Klimaentwicklung der letzten 10.000 Jahre an die Sonnenaktivität gekoppelt. Frage an Oliver Marchand: Wie kam die vorindustrielle Synchronität zwischen Sonne und Klima eigentlich zustande, wenn die verwendeten Formeln und Klimamodelle dies nicht nachvollziehen können? Wir reden hier von solar-induzierten Klimaschwankungen von mehr als einem Grad Celsius, die mit Marchands Logik nicht reproduziert werden können. Es ist schlimm, dass er den Lesern des „Skeptikers“ zudem die aktuelle Forschung zu den Solarverstärkern via UV-Strahlung und Wolken vorenthält. Wir haben im Buch ein ganzes Kapitel dazu geschrieben, das Marchand hier einfach unter den Tisch fallen lässt. Da ist es schon pure Ironie, wenn er uns vorwirft:

„Vahrenholt und Lüning verwechseln hier schlicht Korrelation und Kausalität (Sonnenflecken und Temperatur) und führen so die Leser in die Irre.“

 

These 3: 293 unbeachtete Fehler und Mängel im IPCC Report gefunden

Marchand verteidigt den IPCC-Bericht mit allen Kräften. Der IPCC wäre doch mit einem Nobel-Preis ausgezeichnet, alles Profis, ganz viel Peer Review, alles bestens. Und „Die kalte Sonne“ ist nicht peer-reviewed, daher ganz schlecht. Und außerdem stünden da sowieso nur ganz alte Argumente, die alle bereits widerlegt seien. In diesem Stil argumentiert Marchand. So ein bisschen erinnert das an seine Bühnenshow „Die fünf dümmsten Klimaskeptikerargumente“ (die ganz harten unter Ihnen können sich das Video hier anschauen). Man bekommt schon einen richtigen Schrecken, wie wissenschaftsfern die Diskussion in Marchands Artikel abläuft. Mit der eigentlich zu debattierenden Materie beschäftigt er sich im Prinzip nicht. Und wenn er es ausnahmesweise doch einmal tut (siehe Thesen 1 und 2), dann kratzt er lediglich an der Oberfläche, macht Fehler und übersieht auch noch die wichtigsten Aspekte. Dabei ist unklar, ob er dies bewusst tut oder es nicht besser weiß. Abschließend verkündet Marchand mutig sein Urteil:

„Ein wissenschaftlich miserables und gesellschaftlich gefährliches Buch“. 

Offensichtlich haben wir bei Oliver Marchand einen bestimmten Nerv getroffen, anders ist sein hochemotionaler Text nicht zu verstehen. Es ist lange bekannt, dass die Wahrheit weh tut und zudem auch noch gesellschaftlich gefährlich ist. Trotzdem sollte die wissenschaftliche Diskussion kontroverser Themen ein Mindest-Qualitätsmaß aufweisen, das im besprochenen Text leider fehlt. Den Lesern des „Skeptikers“ hat Marchand jedenfalls keinen großen Dienst erwiesen.

 

Mit Dank an Enno Dittmar