Medienecho – Tag 19 (24.2.2012)

Vor ein paar Tagen erschien auf Zeit Online ein Interview mit Mojib Latif zur aufgeheizten Klimadebatte. Darin versucht er zunächst nachträglich seine fehlgegangene Prognose aus dem April 2000, es werde in Mitteleuropa bald keine Winter mit Eis und Schnee mehr geben, zu reparieren (siehe S. 282 in „Die kalte Sonne). Er wäre einfach falsch zitiert worden.  Dann fragt Zeit Online:„Der Manager beim Energiekonzern RWE, Fritz Vahrenholt, schreibt in seinem Buch Die kalte Sonne, in den letzten zwölf Jahren seien die Temperaturen in Mitteleuropa nicht mehr gestiegen. Wie überzeugen Sie ihn, dass sich die Erde gerade kräftig erwärmt?“ Darauf Latif: „Zehn oder 20 Jahre sind nicht aussagekräftig. Außerdem können sie den Klimawandel sehen. Das ist der Punkt: Sie sehen den Klimawandel!“ Ach so. Alles klar.

Dann stellt er kurz fest, dass anders als im Buch „Die kalte Sonne“ dargestellt, die Sonne nichts mit der Klimaänderung der letzten Jahrzehnte zu tun habe. Argumente? Fehlanzeige. Svensmarks vielversprechende Bemühungen zur Erforschung eines Solarverstärkers über die kosmische Strahlung kommentiert Latif platt mit „Nicht jeder in einem Labor oder einer Nebelkammer nachgestellte Prozess spielt in der Atmosphäre tatsächlich eine Rolle.“ Auch hier kein einziges Argument, mit dem er seine persönliche Einschätzung belegen könnte.

Dann das Highlight des Interviews. Die Zeit online fragt suggestiv: „Renommierten Klimaforschern wird oft die These untergejubelt, allein der Mensch habe die Erderwärmung zu verantworten.“ Darauf Latif „Zu unrecht, denn auch das stimmt einfach nicht. Nicht 100 Prozent der Erwärmung gehen auf das Konto des Menschen, sondern mindestens die Hälfte.  Das können 51 oder 81 Prozent sein. Die Wissenschaft ist da sehr vorsichtig. Der Rest ist natürlichen Ursprungs. Ein Teil (bis in die 1950er- und 1960er-Jahre) geht auf die Sonne zurück. In den Jahrzehnten danach war ein Teil bedingt durch Änderungen der Meeresströmungen. Wissenschaftler sprechen von internen und externen Einflüssen.“ Hiermit positioniert sich Latif eindeutig gegen die gängige Lehrmeinung des Weltklimarats, der in seinem letzten Klimazustandsbericht den natürlichen Klimafaktoren lediglich Einfluss im einstelligen Prozentbereich zubilligte. In der wichtigen Größe des sogenannten Strahlungsanstriebs, einem Maß für die Klimawirksamkeit verschiedener Klimaeeinflussgrößen, liegen zwischen CO2 (1,66 W/m2) und der Sonne (0,12 W/m2) in der offiziellen IPCC-Version ganze Welten. Wer jubelt hier also eigentlich wem etwas unter? Weiß Latif überhaupt, dass wir als Ursache des Klimawandels der letzten 150 Jahre zu 50% anthropogene und zu 50% natürliche Klimafaktoren annehmen? Wieso dieser erbitterte Widerstand, wenn wir inhaltlich doch gar nicht so weit voneinander entfernt sind? Wie würden wohl seine Klima-Kollegen reagierten, wenn Latif uns in Teilbereichen recht gäbe? 

Gegen Ende des Interviews bringt Latifs noch schnell seinen heißgeliebten Pseudo-Beweis für den angeblichen Fingerabdruck des CO2 in der Stratosphäre („Ich brauch zwei Sätze um zu zeigen, dass es das CO2 ist”), den wir bereits im Medienecho – Tag  8 widerlegen konnten. Latif schließt das Interview philosophisch:„Übertreibungen sind für jeden Wissenschaftler unheilvoll. Alarmismus ist mindestens genauso schlimm wie Skeptizismus. Spätestens dann, wenn ein Klimaforscher von irgendwelchen Kipppunkten spricht, die bereits überschritten seien, wird die Sache unseriös.“

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In den MM News berichtete jetzt Klaus Peter Krause über „Die kalte Sonne“. Er weist zu recht darauf hin, dass die Kritik an der CO2-Dominanz in den Klimamodellen des IPCC bereits seit etlichen Jahren von vielen Seiten geübt wurde und fragt sich, warum die Argumente vom Klima-Establishment bislang nicht ernst genommen wurden. Krause schreibt: „Vielleicht aber ist die Zeit für ein Umdenken inzwischen auch reif. Wohl lassen sich Tatsachen erstaunlich lange unterdrücken und Menschen indoktrinieren, aber auf Dauer nicht. Zumindest bei Vahrenholt muss man den Eindruck haben, dass er diese sich wohl anbahnende Wende erkannt hat und nun rechtzeitig aus dem Lager der Klimaschützer ausschert und ins Lager der überaus zahlreichen, aber bisher unterdrückten kritischen Wissenschaftler und Tatsachen hinüberwechselt.“ Und weiter: „Wo Dogmen herrschen, gelten Gegenmeinungen von vornherein als falsch und unbeachtlich.“

Krause fand das Buch „leicht verständlich und sprachlich gut geschrieben, also leicht lesbar.“ Er spricht in seiner Rezension das aus, was wohl vielen bei der Beschäftugung mit der Materie durch den Kopf geht:„[Es ist] schon erstaunlich, die Sonne als Auslöser von Klimaschwankungen zu entdecken, obwohl es für jedermann offenkundig ist, dass allein die Sonne dieses Leben auf der Erde überhaupt möglich macht und daher auch für deren Klima verantwortlich sein muss. Es scheint, als hätten die Klimaschützer die Sonne vergessen und dass sie mit ihrem Einfluss nun gleichsam wieder entdeckt wird.“ Ja, die Sonne wurde in der Tat wohl übersehen. Hier wird es demnächst sicher einigen Erklärungsbedarf geben.